Bundestagswahl 1998

Partei der Nichtwähler
Kölner Gründer wollen zur Alternative werden
von Andreas Damm
Der Kölner Hotelier und Autor Werner Peters hat gestern die Partei der Nichtwähler gegründet. Die Partei wolle ,,eine sinnvolle Alternative zur Stimmenthaltung bieten und sich für eine ,,grundlegende Reform des politischen Systems'' einsetzen, sagte Peters auf der Versammlung im Café Central. Bei der Bundestagwahl im Herbst wolle sich die Partei der Nichtwähler zum ersten Mal um Stimmen bewerben.
Herr Peters, wann sind Sie zum letzten Mal wählen gegangen?
Peters: Bei der letzten Europawahl 1994 habe ich Herrn Wolfgang Ullmann gewählt, einen Mann, den ich persönlich kenne und für integer halte. Aber das war eine Ausnahme. Ich bin seit zehn Jahren bewußter Nichtwähler.
Wie kommt ein früheres CDU-Mitglied zu dieser Entscheidung?
Peters: Weil ich meine, daß unser Parteiensystem auf die politischen Fragen keine richtigen Antworten mehr weiß. Weil es sich versteinert hat und nur noch sich selbst bedient.
Nichtwähler und eine Partei, ist das kein Widerspruch?
Peters: Ich denke nicht. Ich werde auf diese Weise Menschen wie mir - und davon gibt es eine ganze Menge - die Möglichkeit geben, nicht mehr nur negativ ihre Meinung zu sagen: ich will ihnen eine positive Stimme geben.
Welche politischen Ziele verfolgen Sie?
Peters: Darauf aufmerksam zu machen, daß die Lösung unserer politischen Fragen nur auf dem Umweg über mehr Bürgerbeteiligu ng zu erreichen ist.
Ihr Programm?
Peters: Reduzierung des Parteienmonopols, mehr direkte Demokratie, Abschaffung des Fraktionszwangs in den Parlamenten: Wir sind für eine Verkleinerung des Bundestages und der Landtage, für grundlegende Reformen des Sozialversicherungs- und Steuersystems. Ganz wichtig: wir eine Beschränkung politischer Macht, indem Politiker höchstens zwei Wahlperioden im Amt sein dürfen. Wenn wir das beim Amt des Kanzlers anwenden würden, wäre uns wahrscheinlich sehr viel politischesLeid erspart geblieben. Die Stagnation unter Adenauer wiederholt sich bei Kohl - und das beschert uns am Ende solch einen Mann wie Schröder.Warum engagieren Sie sich nicht in einer der bestehenden Parteien und versuchen diese von innen zu ändern?
Peters: Weil ich es für unmöglich halte, dort etwas zu ändern.
Welches Mandat streben Sie an?
Peters: Im Moment gar keins. Mir geht es mit der Aktion darum, Themen in den Wahlkampf zu bringen, die verschwiegen werden oder verschüttet sind.
Bei der Kommunalwahl 1994 hatte ein ähnlicher Bewerber, die Wählervereinigung ,,Wir - Kölner Bürger" bei den Bürgern nur wenig Erfolg. Mit wieviel Resonanz rechnen Sie?
Peters: Es gibt Verrückte, die mir sagen, eine Partei der Nichtwähler bekommt auf Anhieb 20 Prozent der Stimmen. Das ist natürlich lächerlich. Es ist aber auch nicht wichtig, ob wir die 5-Prozent-Klausel schaffen werden. Entscheidend ist, daß die Themen diskutiert werden.
Werner Peters
Werner Peters (56)
studierte in Tübingen, Bonn und Harvard Philosophie und Altphilologie. Der gebürtige Düsseldorfer promovierte in Altgriechisch. In den späten sechziger Jahren arbeitete er als Assistent für amerikanische Kongreßabgeordnete, danach zwei Jahre lang als Assistent des Bundesgeschäftsführers der CDU. Wegen der Parteispendenaffäre 1983 trat er Anfang der 80er Jahre aus der CDU aus. 19983 eröffnete er das Künstlerhotel Chelsea, das Café Central und das Restaurant ,,o.T." im belgischen Viertel. Als Autor veröffentlicht Peters wissenschaftliche Publikationen. Er hat 1995 die erste kommunitarische Vereinigung in Deutschland gegründet und ist unter anderem Mitglied im Verein ,,Mehr Demokratie'' und der Kölner Flüchtlingshilfe ,,Direkt''. Peters hat zwei Kinder im Alter von 14 und 30 Jahren.
Die Qual der Wahl am 14. Mai 2000
Ganz Nordrhein-Westfalen stöhnt unter der Qual zwischen dem charakterlosen Möchte-gern-Populisten Rüttgers von der CDU, dem wiederauferstandenen "Riesenstaatsmann Mümmelmann" von der FDP, dem sozialdemokratischen Oberfilzbewahrer Clement samt seinem gesichts- und rückgratlosen Anhang von den Grünen
Ganz NRW?..........
Nein, in einem der 150 Wahlkreise gibt es ein echte Alternative die PARTEI DER NICHTWÄHLER die für eine grundlegende Reform des politischen Systems eintritt.
Viele Bürger haben erkannt, daß ein Wechsel von einer Partei zur anderen nichts ändert am schlechten
Zustand der Politik. Das Problem sind die Parteien selbst, die Politiker, das System, das sich in sich selbst
dreht und nicht mehr reformfähig ist.
Viele Menschen fühlen sich von der Schein-Demokratie, wie sie in unserem Land betrieben wird, nicht mehr
angesprochen.
Die PATEI DER NICHTWÄHLER will diesen Frustrationen und diesem stummen Protest eine Stimme und eine positive Richtung geben. Reformen sind möglich. Aber sie können nur von außerhalb der etablierten Parteien kommen.
Wir wenden uns an alle Bürger: Noch-Wähler und Nicht-Mehr-Wähler. Erheben Sie Ihre Stimme. Lassen Sie sie nicht untergehen. Stimmen Sie mit uns für eine neue politische Kultur in unserem Land.
Unser Programm (für die Landtagswahl):
1. Verkleinerung des Landtags auf maximal 100 Abgeordnete weil die Bedeutung der Landespolitk in einem supranationalen Europa sich erheblich reduziert hat.
2. Abschaffung des Berufspolitikertums bei Landtagsabgeordneten weil die Landtagsarbeit keine Vollzeit-beschäftigung ist und die meisten Abgeordneten ihre üppigen Landtagsdiäten zur Alimentierung einer anderweitigen Politkarriere nutzen (Beispiele aus Köln: Ex-Oberbürgermeister Burger, Ex-SPD-Fraktionschef Heugel und sein Nachfolger Norbert Rüther, den die Kölner SPD auf diese Weise versorgen will).
3. Direktwahl des Ministerpräsidenten
damit dieser unabhängig von den Interessen seiner Partei handeln kann, andererseits aber auch schärfer vom Landtag kontrolliert würde. Die Abgeordneten und der Regierungschef wären echte Gegengewichte, während derzeit die Landtagsmehrheit ihre Regierung auch bei offensichtlichen Verfehlungen (siehe Flugaffäre) auf Gedeih und Verderb unterstützt.
4. Beschränkung der Amtszeit des Ministerpräsidenten, von Regierungsmitgliedern und
Abgeordneten auf zwei Wahlperioden
weil nur auf diese Weise die Macht begrenzt werden kann und die Politiker die Bodenhaftung (im wahrsten Sinne wie Vielflieger Johannes Rau gezeigt hat) und den Bezug zu Recht, Gesetz
und Moral nicht verlieren kann.
5. Verbot von Doppelmandaten im Landtag und in Kommunalparlamenten
um Interessenverquickungen zu verhindern, vor allem aber weil es nicht angehen kann, daß mit den Landtagsdiäten sogenannte ehrenamtliche Kommunalpolitiker voll alimentiert werden.
6. Verbesserung der Instrumente direkter Demokratie durch Einführung der Volksinitiative und durch Senkung der Einschreibungs- und Zustimungsquoren bei Volksbegehren und Volksentscheiden weil unsere repräsentative Demokratie als Ergänzung und Stütze direkte Einflußmöglichkeiten für den Bürger braucht und dies in NRW im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern pratisch nicht vorhanden sind.
7. Verbot der Besetzung von Positionen in landeseigenen oder vom Land kontrollierten Unternehmen und Körperschaften durch "verdiente" Abgeordnete oder Parteimitglieder
um die Unabhägigkeit sowohl der Unternehmen wie der Politier zu erhalten und um Verfilzungen, wie sie am Beispiel der WestLB zutagegetreten sind, erst gar nicht aufkommen zu lassen.
8. Abschaffung des Berufsbeamtentums nicht nur in den Ministerien, sondern in allen Bereichen und allen Ebenen
weil die Privilegien des Beamtentums (Unkündbarkeit, Versorgungsansprüche ohne eigene Zahlungen, automatische Besoldungserhöhungen) gegenüber dem Rest der arbeitenden Gesellschaft nicht mehr zu rechtfertigen sind und weil das antiquierte Besoldungssystem
leistungsfeindlich ist.
9. Aufhebung der 5% Klausel bei Landtagswahlen im Zuge der von uns geforderten Direktwahl des Ministerpräsidenten ist das einzige Argument hierfür, nämlich stabile Mehrheiten zu gewährleisten, unerheblich. Wichtiger ist es, auch
Minderheitsmeinungen im Landtag zu Wort kommen zu lassen.
10. Einführung eines neuen Wahlgesetzes mit der Möglichkeit des Kumulierens (Mehrfachstimmen) und Panaschierens (Ankreuzen von Kandidaten verschiedener Parteien) um den Wählern die Möglichkeit zu geben, aus den von den Parteien vorgelegten
Kandidatenlisten geeignete Personen vorzuziehen und damit die starren Listen aufzulösen.
11. Aufhebung des Fraktionszwangs und Verbot von Koalitions-vereinbarungen um die Abgeordneten wieder zu dem zu machen, als was unser Grundgesetz sie beschreibt: unabhängige Persönlichkeiten, die nur ihrem Gewissen verantwortlich sind.